23.12.2004, LN, Eindrucksvolle Erfolgsstory einer "Eisernen Lady"

Eindrucksvolle Erfolgsstory einer "Eisernen Lady"

TANZEN - Nach dem Gewinn vieler nationaler und internationaler Titel hat Petra Heiduk ein neues Ziel - sie will mit der Lüdenscheider Latein-Formation in die 2. Bundesliga

Von Thomas Machatzke

LÜDENSCHEID o Die Anweisungen sind kurz und prägnant, fordernd der Ton. "Ich möchte jetzt an euren Füßen den metronomischen Rhythmus sehen", ruft Petra Heiduk. Es ist Sonntag, kurz vor 14 Uhr, in der kleinen Turnhalle Schöneck. Die Füße, die nun den geforderten Rhythmus erkennen lassen sollen, haben das Wochenendpensum eines normalen Fußes hinter sich, der einem Tänzer oder einer Tänzerin der Latein-Formation der TSG Lüdenscheid gehört. Vier Stunden Training am Samstag, vier am Sonntag.

Es sind die letzten Trainingsminuten. Petra Heiduk aber ist es egal, wie müde ein Fuß ist. "Eine Achse heißt zwar als technisches Element Achse, ist aber auch eine Drehung", korrigiert sie eine junge Tänzerin, dann zählt sie aufs Neue den Rhythmus an. Harte Arbeit für ein ehrgeiziges Ziel - am 23. Januar beginnt in Greven die Regionalliga-Saison. Eine Saison, an deren Ende sich die TSG in Richtung 2. Bundesliga verabschieden möchte. Petra Heiduk ist nicht zufrieden in diesen Minuten .Jedenfalls erweckt sie den eindruck, nicht zufrieden zu sein. Dann ist das Training zu Ende, ihr letztes vor Weihnachten. "Schöne Geschenke, aber die habt ihr nicht verdient!", ruft sie ihren Schützlingen zu, "und gute Besserung".

Was Petra Heiduk sagt, klingt harsch, aber eigentlich meint sie es nicht so. "Alles sehr liebe Leute", urteilt sie etwas später. Und sie stellt auch fest, dass sie durchaus nicht unzufrieden ist mit der Arbeit der Formation. Ganz im Gegenteil - seit Dienstantritt in der Bergstadt ist die TSG weit gekommen. Das Turnier in Wien im November mit Rang vier war ein Indikator für den sehr guten Leistungsstand. Unzufrieden ist Heiduk nicht insgesamt, nur im Detail. Im Detail allerdings stets und immer.

Es ist womöglich das Geheimnis ihres Erfolges: Die "Eiserne Lady" (Aachener Nachrichten) hat mit allem Erfolg gehabt, was sie angefasst hat. Das gilt für ihre eigene Tanzkarriere mit Hans-Jürgen Zumholte, ihrem damaligen Ehemann (zwischen 1961 und 1979, siehe auch Text unten) als auch für ihre Arbeit als Trainerin. Sie hat Einzelpaare zu Meistern gemacht und Formationen geformt, die viele Titel gesammelt haben. Sie hat mehr als ein Dutzend erfolgreiche Choreographien entwickelt. Es ist eine Erfolgsstory, die ihresgleichen sucht. Die Titelgewinne in Velbert - verbunden mit ihrem Namen. Später die Erfolge in Aachen - sie trugen ihre Handschrift. Seit 1984 arbeitete Petra Heiduk in Aachen, wurde dort Deutscher Meister, Europameister und Weltmeister - mehrfach.

Jedes Wochenende von Krefeld nach Lüdenscheid

Als sie im April in Aachen von ihren Aufgaben entbunden wurde, hat Petra Heiduk eigentlich gar nicht mehr so intensiv eine Formation betreuen wollen. "Ich wollte durchs Land fahren und Turniere werten", erzählt sie, "aber als Bernd Waldschmidt dann so nett gebettelt hat, habe ich mich noch einmal überreden lassen." So reist Heiduk nun Wochende für Wochenede durchs Land - von ihrem Wohnort Krefeld nach Lüdenscheid.

Der Schritt von der Bundes- in die Regionalliga ist für sie kein Problem. "Formationstänzer sind sich ähnlich", sagt sie, "sie haben überall die gleichen Probleme, die gleiche Mentalität." Hinzu kommt, dass Heiduk die TSG nicht wie ein Regionalliga-Team behandelt. "Wenn der Maßstab ist, eine nette kleine Regionalliga-Formation zu haben, dann bleibt sie eine kleine Regionalliga-Formation", sagt die Expertin, "unsere Vorgabe ist: Wir wollen so trainieren wie in Aachen."

Heiduk, die andere Angebote aus höheren Klassen abgelehnt hat, wollte nach ihrer Zeit in Aachen eigentlich mindestens einen Gang zurückschalten. Dieser Plan ist ad acta gelegt. "Wenn man Erfolg haben will, geht das nur übers Engagement. Da muss man sich zerfetzen", sagt sie, "es ist in jeder Klasse dasselbe. Man geht abends mit der Mannschaft ins Bett und steht am Morgen wieder mit ihr auf." Für dieses Engagement erwartet die gebürtige Erfurterin die gleiche Einstellung von ihren Schützlingen. Immer und bei jeder noch so kleinen Detailübung. Und sei es in den letzten Minuten nach vier Stunden Training. Aus gutem Grund.

Die Vorgabe für die neue Saison definiert Heiduk so, wie sie im Training ihre Anweisungen gibt. "Ich erwarte, dass die Mannschaft so gut ist", sagt sie, "dass sie selbst an einem schlechten Tag gut genug ist, um aufzusteigen." Sie sagt das kurz, prägnant, fordernd. Sie kann nicht heraus aus ihrer Haut.


Lüdenscheider Nachrichten, 23.12.2004