16.03.2009, LN, 950 Fans feiern die Tanzteams in der BGL-Halle

950 Fans feiern die Tanzteams in der BGL-Halle

Von Thomas Machatzke

LÜDENSCHEID - Es gibt Situationen, in denen zählt die Magie des Momentes weit mehr als nüchtern betrachtete Fakten. Die erhoffte 1000- Zuschauer-Marke hatte die TSG Lüdenscheid bei der Premiere der 1. Bundesliga der Latein-Formation in der Bergstadt knapp verpasst, den vierten Rang im Tagesklassement auch. Doch der Abend war viel zu mitreißend und emotional gewesen, als dass die Gastgeber des letzten Erstliga-Turniers der Latein-Saison 2009 auch nur im Anflug unzufrieden gewesen wären. Das genaue Gegenteil war der Fall.

950 Zuschauer feierten am Samstag beim Saisonfinale in der enorm heraus geputzten BGL-Halle die acht besten Formationen des Landes und vor allem das Heimteam der TSG Lüdenscheid frenetisch, das diese Zuneigung sichtlich genoss. Nach einer Saison, in der trotz des gesicherten fünften Tabellenplatzes längst nicht alle Wünsche für die Lüdenscheider in Erfüllung gegangen sind, war dieser Kehraus Balsam für die Seelen der Tänzerinnen und Tänzer.

Für die TSG hatte der Tag mit einer Schrecksekunde begonnen: Dennis Diebel war bei der Stellprobe ein Wirbel herausgesprungen - doch als der Wirbel wieder drin war, ging es für Diebel weiter. Eine Initialzündung. "Von dem Moment an hat das Team richtig Gas gegeben", stellte Trainer Bernd Waldschmidt fest.

Wie am Schnürchen lief fortan alles. "Die ersten zwei Minuten waren ein bisschen angespannt, aber dann wurde es freier - richtig gut", bilanzierte Trainer Richard Erning, nach seiner Weltreise erstmals wieder dabei. Die TSG hatte als letzte Formation auf die Fläche gedurft - nach einem Tausch mit Residenz Ludwigsburg. Der Südvertreter hatte zugestimmt, die TSG war so in einer Live-Schaltung im WDR-Fernsehen zu sehen, gab vielleicht auch deshalb mächtig Gas.

Sportlich waren bereits vor dem Saisonfinale alle Entscheidungen gefallen. Umso druckloser traten die acht Formationen auf. Das Publikum war dankbar für die teils spektakuläre Show und spendete viel Applaus. Selbst die Absteiger, TSG Backnang und 1. TC Ludwigsburg, hatten ihre Saison-Enttäuschung längst überwunden und auf dem Parkett in der Bergstadt richtig Spaß.

In der Endrunde durfte die TSG als drittes Team aufs Parkett - direkt hinter dem Europa- und Vizeweltmeister aus Bremen, der auch dieses Turnier mit allen 1er-Wertungen gewinnen sollte. Was die Gunst des Publikums anging, schlug die TSG aber auch die Albanese-Schützlinge an diesem Abend. Die Fans feierten die TSG für einen fulminanten Durchgang mit "standing-ovations". Das Team war sichtlich aus dem Häuschen, allen voran Marten Schumacher, der noch auf der Tanzfläche so herzlich jubelte wie nach einer gewonnenen Meisterschaft.

Sportlich wurde es allerdings nicht einmal der erhoffte vierte Rang. Die sieben Wertungsrichter bestätigten mit ihrer Einschätzung den Saison-Gesamtstand. So richtig eng ging es nur um Rang drei zu - diesmal mit dem besseren Ende für das Bremer B-Team und zum Nachteil der Formations-Gemeinschaft Aachen/Düsseldorf. Bremen A und das TSZ Velbert waren davor unangefochten. Die Lüdenscheider erhielten immerhin eine Dreier-Wertung und zweimal die "4" - unterm Strich bedeutete dies Rang fünf.

Die Party-Stimmung für die große Saisonabschlussfete in der BGL-Pausenhalle, bei der das Team mit Sergej Esau in dessen Geburtstag hinein feierte, ließ sich die TSG indes nicht verderben. Die Formation hatte auf dem Parkett geglänzt, der Verein als Ausrichter. "Mit der Leistung haben wir uns bereits empfohlen für die nächste Saison. Dass es wieder nur der fünfte Rang werden würde, war mir vorher klar", bilanzierte Bernd Waldschmidt, "als Ausrichter aber haben wir uns heute empfohlen für eine nächste Ausrichtung. Was wollen wir mehr?"


Lüdenscheider Nachrichten, 16.03.2009