17.03.2009, WR, Tanzen: Ehepaar Wachsmuth denkt ans Aufhören

Tanzen: Ehepaar Wachsmuth denkt ans Aufhören

Von Thomas Machatzke

LÜDENSCHEID - Es war ein Abend der Emotionen - wie so oft beim Saisonfinale. Oliver Tienken, Frontmann des Deutschen Vizemeisters aus Velbert, zum Beispiel hatte für seine Tanzpartnerin Natalie Dönninghaus mit reichlich Pathos ("Dies war unser gemeinsamer Weg. In dir habe ich meine perfekte Partnerin gefunden...") ein Plakat gebastelt, das er im Anschluss an die Siegerehrung gerne in jede Kamera hielt. Dönninghaus, die aus Witten stammt und bis zum Jahr 2003 noch für die TSG Lüdenscheid tanzte, war gerührt. Ja, beim Saisonfinale fließt so manche Träne. Der Tag des Finales ist immer auch ein Tag des Abschieds.

"In Velbert geht ja die halbe Mannschaft", erzählte die Cheftrainerin der TSG Lüdenscheid, Petra Heiduk, noch am Samstagabend, "die haben gerade im Kabinengang alle geheult. Sie sind ja im Schnitt nicht mehr so jung. Obwohl das eigentlich gar keine Rolle spielt heutzutage." Und bei ihrer Mannschaft? "Das weiß man erst im September. Das ist doch immer so", stellte Heiduk fest. "Nein", hatte auch Trainer Bernd Waldschmidt auf die Frage geantwortet, ob bei der TSG Tänzerinnen und Tänzer definitiv aufhören wollen, geantwortet. Die üblichen Gerüchte halt, mehr nicht.

Doch nun verdichtet sich eine Personalie, die pikant ist: Björn und Natascha Wachsmuth wollen ihre Karriere in der Formation beenden. "Wir wollen andere Prioritäten setzen", erläuterte Björn Wachsmuth gestern. Er selbst will sein Studium vorantreiben ("Ich kriege es nicht hin, da zweigleisig zu fahren"). Natascha Wachsmuth steht vor ihrer Abschlussprüfung. "Es war ein toller Abschluss für uns am Wochenende", sagt der 25-Jährige, der der TSG-Formationen seit mehr als zehn Jahren angehört, "für die Formation ist dieser Entschluss recht endgültig."

Dass sich das Ehepaar Wachsmuth mehr dem Paartanz widmen will ("Das ist zeitlich nicht so verpflichtend"), ist für die Formation nicht nur tänzerisch ein herber Verlust. Es würde vor allem das Herzstück des Teams herausbrechen. Und es ginge zudem der Sohn des TSG-Hauptsponsors und größten Förderers des Tanzsports der Region. Der Tänzer lässt sich indes ein Hintertürchen. "Es gibt viele Comebacks im Tanzsport - man sollte nie nie sagen..."

Trainer Bernd Waldschmidt hält den Zeitpunkt der Bekanntgabe der Entscheidung für äußerst ungünstig. "Ich halte von solchen Aussagen gar nichts. Letztlich entscheidet sich alles erst im September", sagt er, "im letzten Jahr haben die Beiden auch gesagt, dass sie aufhören - wie viele andere am Ende einer langen Saison. Und dann standen sie doch wieder auf der Fläche." Petra Heiduk rechnet die "üblichen Verdächtigen" zu den Aufhörwilligen. Dennis Diebel ist wieder einer davon. Doch die Zuversicht bleibt, dass nach der trainingsfreien Zeit im März und April die Lust aufs Tanzen und die Formation doch zurückkommt.

Gleichwohl ist die Situation auch für die TSG Lüdenscheid dieser Tage keine einfache. "Das Paket für die nächste Saison ist leider noch nicht geschnürt", sagt Waldschmidt, "wir müssen jetzt verschiedene Lösungen erarbeiten. Die wirtschaftliche Lage macht die Situation nicht einfacher. Man muss schauen, ob man alles zusammenfahren kann, muss mit der Mannschaft, dem Vorstand und den Sponsoren reden. Dann kristallisiert sich irgendwann heraus, ob man ein Paket hat und welche Ziele man mit diesem Paket anstreben kann. Aber diese Probleme haben derzeit andere Mannschaften auch."

Dabei spricht Waldschmidt nicht nur die Schwierigkeit an, Sponsoren zu gewinnen. "Auch die Vorstandsmitglieder sind durch die Krise zeitlich angespannt, die Trainer genauso", sagt er "es sind in Summe schwierige Umstände." Kurzum: Die Arbeit wird nicht weniger, aber die Zeit, die dafür zur Verfügung steht, die Arbeit zu erledigen, sehrwohl. Ein Problem, für das die TSG Lüdenscheid Lösungen finden muss.


Westfälische Rundschau, 17.03.2009