28.06.2009, LN, TSG zieht Latein-Bundesligaformation zurück

TSG zieht Latein-Bundesligaformation zurück

Von Thomas Machatzke

LÜDENSCHEID - Der Schritt hatte sich in den vergangenen Tagen abgezeichnet, traurig bleibt er gleichwohl für die Sportregion Lüdenscheid: Die Tanz-Sport-Gemeinschaft Lüdenscheid zieht ihre Bundesliga-Latein-Formation zur neuen Saison aus der 1. Bundesliga zurück und plant einen Neuaufbau in der untersten Klasse, der Landesliga West. Am Samstag trafen die Verantwortlichen der TSG die Entscheidung und informierten die entsprechenden Stellen beim Deutschen Tanz-Sport-Verband, der am Samstag tagte, um unter anderem die neue Liga-Saison zu planen. Auch Josef Vonthron, Präsident des Tanzsportverbandes NRW und zuletzt ein guter Freund der TSG, wurde noch am Samstag von den Bergstädtern über die Entwicklung in Kenntnis gesetzt.

Letzter Hilferuf verhallt ungehört

Der letzte Hilferuf der TSG war ungehört verhallt: Mit einem NRW-weit ausgeschriebenen Casting hatte die TSG versucht, Aktive für das neue Team zu finden. Vergebens. Ein Tänzer hatte sich zwar gemeldet und angekündigt, am Sonntag zum Training zu kommen. Ein anderer aus Frankfurt hatte grundsätzlich Interesse signalisiert, unterm Strich waren dies den Verantwortlichen der TSG aber zu wenige positive Signale. "Es reicht von der Quantität nicht", sagt Trainer und Teammanager Bernd Waldschmidt, "und die Qualität lasse ich dabei erst einmal außen vor. Also haben wir uns gesagt: Lieber ein Ende mit Schrecken als Schrecken ohne Ende..."

Körbe hatte sich die TSG vorher bei Bemühungen um die Bildung einer Formations-Gemeinschaft abgeholt. Der Wunschpartner, der TTC Rot-Weiß-Silber Bochum, hatte ebenso dankend abgelehnt wir andere Klubs, deren Namen Waldschmidt so wenig öffentlich nennt wie den der Bochumer, der früh durchgesickert war. "Das macht keinen Sinn", sagt Waldschmidt, der auch bei den Aktiven, die bereit gewesen wären, weiterzumachen, nicht ins Detail gehen mag. "Sonst heißt es nachher, die anderen, die nicht weiter machen wollten, hätten die Formation zu Grabe getragen. Das will ich nicht."

Beim Casting waren überhaupt nur zehn Aktive, darunter einige aus dem alten A-Team, gewesen, die ohne ein Tanztraining geknickt nach Hause gingen. "Alle sind sehr bedrückt. Ich finde es ganz schrecklich", sagt Björn Wachsmuth, langjähriger Tänzer der TSG-Formation und inzwischen Pressesprecher des Klubs, "wir haben so lange gekämpft und hart gearbeitet für die Sache. Und nun ist alles futsch." Am Samstagabend tanzte das TSG-Team nur wenige Stunden nach der Entscheidung einen Showauftritt - die Stimmung war komplett im Keller.

"Im Moment sind alle sehr traurig, aber wir müssen in die Zukunft schauen", sagt Björn Wachsmuth, "wir müssen jetzt einen langen Atem haben, denn es dauert lange, bis wieder etwas Höherklassiges rauskommt. Aber wir müssen aus den Fehlern der Vergangenheit lernen und etwas Neues, vor allem etwas Nachhaltiges formen."

Landesliga mit Heiduk sehr unwahrscheinlich

Dass die TSG auf jeden Fall ein komplettes Team in der Landesliga West an den Start bringen wird, daran ließen Waldschmidt und Wachsmuth am Wochenende keinen Zweifel. Wer dieses Team trainieren wird, wer dort tanzen wird - das ist derweil völlig offen. Naheliegend ist, dass für eine Mannschaft in der Landesliga der Gürtel enger geschnallt werden muss. Eine weitere Zusammenarbeit mit der "Grande Dame" des des deutschen Formations-Tanzsports, Petra Heiduk, ist deshalb unwahrscheinlich. Ob Mitglieder der Bundesliga-Formation sich aufs Landesliga-Parkett begeben werden, ist zudem fraglich. "Einige Mitglieder des A-Teams haben bereits angedeutet, dass sie nicht in der Landesliga tanzen wollen", erklärte Bernd Waldschmidt. So ist die Zukunft der TSG, die im November 2008 in Bremen Vierter der Deutschen Meisterschaft wurde, völlig offen.


Lüdenscheider Nachrichten, 28.06.2009